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Mit dem Kiffen aufhören: Verlauf des Cannabisentzugs und Tipps für Schlaf, Stimmung und Suchtdruck
So hörst du mit dem Kiffen auf: wie der Cannabisentzug verläuft, was bei Schlaflosigkeit, intensiven Träumen und Reizbarkeit hilft und wie du dranbleibst.
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Wenn du mit dem Kiffen aufhören willst, kommt es auf drei Schritte an: Leg einen Stopptag fest, schaff deinen Vorrat aus der Wohnung und plane die ersten zwei Wochen, denn dann ist der Entzug meist am härtesten. Den Cannabisentzug gibt es wirklich, gefährlich ist er aber selten. Schlechter Schlaf, intensive Träume, Reizbarkeit und wenig Appetit erreichen meist in der ersten Woche ihren Höhepunkt und klingen in den ein, zwei Wochen danach ab. Beim Schlaf kann es länger dauern.
Ja, den Cannabisentzug gibt es wirklich
Viele bekommen zu hören, dass Gras nicht abhängig macht. Die Forschung sagt etwas anderes. Eine Übersichtsarbeit von 2020 über 47 Studien fand Entzugserscheinungen bei etwa der Hälfte (47 %) der Menschen, die regelmäßig Cannabis konsumierten oder davon abhängig waren. Die Raten reichten von 17 % in Bevölkerungsbefragungen bis 87 % bei Menschen in stationärer Behandlung. Bei täglichem Konsum oder zusätzlichem Tabakkonsum lagen sie höher.
Zu den häufigen Entzugserscheinungen bei Cannabis gehören laut dem US-Forschungsinstitut NIDA:
- Reizbarkeit, Wut oder Unruhe
- Ängstlichkeit oder Niedergeschlagenheit
- Schlaflosigkeit und seltsame oder verstörende Träume
- weniger Appetit oder Gewichtsverlust
- Kopfschmerzen, Schwitzen, Bauchschmerzen oder Zittern
Laut einer klinischen Übersichtsarbeit von 2022 richtet der Cannabisentzug selten ernsthaften Schaden an. Höher ist das Risiko allerdings bei Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder bei Menschen, die andere Drogen nehmen. Die größte Gefahr ist, wieder anzufangen, denn Cannabis lindert die Beschwerden schnell.
Ein einfacher Plan, um mit dem Kiffen aufzuhören
- Such dir einen Stopptag in den nächsten zwei Wochen aus, aber nicht in einer stressigen Woche.
- Entscheide, ob du auf einen Schlag aufhörst oder erst weniger kiffst.
- Schaff Gras, Blättchen, Grinder und Vaporizer aus der Wohnung. Lösch die Nummern von Dealern.
- Plane für die ersten zwei Wochen deine Abende und die Zeit vor dem Schlafengehen.
- Bitte einen Menschen, dem du vertraust, regelmäßig nachzufragen, wie es dir geht.
Cannabisentzug: Verlauf und was dich erwartet
Wie der Entzug verläuft, hängt davon ab, wie viel und wie oft du konsumiert hast. In einer kleinen Studie mit 18 Menschen, die stark konsumierten, begannen die Beschwerden meist an Tag 1 bis 3, erreichten an Tag 2 bis 6 ihren Höhepunkt und hielten größtenteils 4 bis 14 Tage an.
| Seit dem letzten Konsum | Was häufig vorkommt |
|---|---|
| Tag 1–3 | Die Beschwerden beginnen: schlechter Schlaf, Reizbarkeit, wenig Appetit |
| Tag 4–7 | Oft nahe am Höhepunkt, danach lassen sie langsam nach |
| Woche 2–3 | Die meisten frühen Beschwerden klingen ab. Wut oder gedrückte Stimmung können jetzt ihren Höhepunkt erreichen |
| Ab Woche 4 | Die meisten fühlen sich deutlich besser. Beim Schlaf kann es länger dauern |
Laut der Übersichtsarbeit von 2022 erreichen Wut und gedrückte Stimmung oft erst nach zwei Wochen ihren Höhepunkt. Das heißt nicht, dass du etwas falsch machst.
Schlecht schlafen, seit du nicht mehr kiffst? Schlaf und intensive Träume
In einer kleinen Studie im Schlaflabor mit Menschen, die täglich kifften, führten drei Tage ohne Cannabis zu weniger Schlaf insgesamt, längerem Einschlafen und schlechterer Schlafqualität. Die Teilnehmenden verbrachten auch mehr Zeit im REM-Schlaf, der Phase, in der die meisten Träume entstehen. Das erklärt zum Teil die intensiven Träume nach dem Aufhören.
Was der britische Gesundheitsdienst NHS bei Schlaflosigkeit empfiehlt, gilt auch hier:
- Steh jeden Tag zur gleichen Zeit auf, auch nach einer schlechten Nacht.
- Verzichte auf Nickerchen und nimm dir vor dem Schlafengehen eine Stunde Zeit, um runterzukommen.
- Trink mindestens 6 Stunden vor dem Schlafengehen keinen Alkohol, keinen Kaffee und keinen Tee.
- Beweg dich tagsüber, nicht spät am Abend.
Mehr dazu: So schläfst du in der ersten Zeit nach dem Aufhören besser. Wenn die Schlaflosigkeit wochenlang anhält, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt. Eine Möglichkeit ist die kognitive Verhaltenstherapie bei Schlaflosigkeit (KVT-I).
Reizbarkeit, Angst und gedrückte Stimmung
Viele sind in dieser Zeit angespannt und dünnhäutig. Das hilft:
- Sag den Menschen, mit denen du zusammenlebst, vorher Bescheid: „Kann sein, dass ich diese Woche schnell gereizt bin. Das liegt nicht an dir.“
- Wenn die Wut hochkocht, geh kurz raus aus der Situation und atme eine Minute lang langsam.
- Plane jeden Tag eine Sache ein, die dir Freude macht, und beweg dich. Ein Spaziergang zählt auch.
Die gedrückte Stimmung sollte sich bessern, wenn der Entzug vorbei ist. Wenn nicht, oder wenn Kiffen deine Art war, mit Angst oder Niedergeschlagenheit umzugehen, sprich mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Fachperson. Du verdienst echte Unterstützung.
Appetit und Magenbeschwerden
Weniger Appetit und etwas Gewichtsverlust sind in den ersten ein, zwei Wochen häufig, und manche bekommen Bauchschmerzen oder Übelkeit. Iss regelmäßig kleine Mahlzeiten, statt zu warten, bis du Hunger hast, und trink über den Tag verteilt Wasser. Wenn du weder Essen noch Getränke bei dir behältst, hol dir ärztlichen Rat.
Suchtdruck und Langeweile
Suchtdruck taucht oft dann und dort auf, wo du früher gekifft hast: nach der Arbeit, vor dem Schlafengehen, mit bestimmten Leuten aus dem Freundeskreis. Notier dir jedes Mal, wenn der Drang kommt, wo du bist, mit wem du zusammen bist und wie du dich fühlst. So erkennst du deine Auslöser.
Ein Drang kann sich endlos anfühlen, aber meist steigt er an, erreicht seinen Höhepunkt und ebbt wieder ab. Hier liest du, wie lange Suchtdruck meist anhält. In Guardian Angel gibt es für solche Momente den Bildschirm Craving-SOS mit dem 10-Minuten-Timer Abwarten und einer Atemanleitung im vorgegebenen Takt.
Wenn du doch kiffst, ist dein Fortschritt nicht weg. Ein Ausrutscher ist kein Rückfall: Schau dir an, was dazu geführt hat, und mach dann weiter.
Wenn Kiffen deine Abende gefüllt hat, plane, was sie jetzt füllt: Fitnessstudio, Kochen, ein Spieleabend.
Mit dem Kiffen aufhören, wenn dein Freundeskreis kifft
- Erzähl ein, zwei Freundinnen oder Freunden, dass du aufgehört hast. Zum Beispiel: „Ich kiffe gerade nicht. Bietet mir bitte nichts an, aber ich will trotzdem mit euch abhängen.“
- Schlag Pläne vor, bei denen es um etwas anderes geht, etwa Sport, Kino oder Essen.
- Geh früher, wenn ein Joint die Runde macht. Du schuldest niemandem eine Erklärung.
Toleranzpause oder ganz aufhören?
Eine Toleranzpause (T-Break) ist eine geplante Pause, damit Gras stärker wirkt, wenn du wieder damit anfängst. Beim Aufhören ist dagegen kein Wiedereinstieg geplant.
Studien mit Hirnscans bei Männern, die viel kifften, fanden weniger Cannabinoid-Rezeptoren als bei Menschen, die kein Cannabis konsumieren. In einer kleinen Studie begannen sich die Werte innerhalb von 2 Tagen zu erholen. In einer anderen waren sie nach etwa 4 Wochen wieder normal. Keine der beiden hat gemessen, wie stark Gras danach wirkt.
Eine Toleranzpause ist auch ein nützlicher Test. Wenn du sie nicht durchhältst oder dein Konsum bald wieder steigt, überleg dir, länger aufzuhören oder dir Unterstützung zu holen.
Cannabiskonsumstörung: Wann du dir Hilfe holen solltest
Hol dir sofort ärztliche Hilfe, wenn du Dinge hörst oder siehst, die andere nicht wahrnehmen, oder fest davon überzeugt bist, dass sich Menschen gegen dich verschworen haben. Der britische Gesundheitsdienst NHS rät, bei Anzeichen einer Psychose sofort zu einer Ärztin oder einem Arzt zu gehen. Wenn du Gedanken hast, dir etwas anzutun, ruf jetzt den Notruf an oder wende dich an eines der Hilfsangebote unter „Jetzt Hilfe holen“ weiter unten.
Sprich mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Suchtberatungsstelle, wenn:
- du schon einmal versucht hast, mit Cannabis aufzuhören oder weniger zu konsumieren, und es nicht geklappt hat
- Gras dir bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause Probleme macht und du trotzdem weiterkiffst
- gedrückte Stimmung oder Angst über die ersten Wochen hinaus anhalten
- du mehr trinkst oder andere Drogen nimmst, um den Entzug durchzustehen
- du außerdem viel trinkst oder Benzodiazepine oder Opioide nimmst, denn diese abzusetzen kann ohne ärztlichen Rat gefährlich sein
Laut NIDA können Verhaltenstherapien wirksam sein, etwa kognitive Verhaltenstherapie, motivationsfördernde Therapie (Motivational Enhancement Therapy) und Kontingenzmanagement. Von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassene Medikamente gegen eine Cannabiskonsumstörung gibt es bisher nicht.
Häufige Fragen
Wie lange dauert der Cannabisentzug?
Bei den meisten Menschen, die regelmäßig gekifft haben, beginnen die Beschwerden innerhalb von 1 bis 3 Tagen, erreichen in der ersten Woche ihren Höhepunkt und lassen über ein bis zwei Wochen nach. Nach starkem Konsum können sie zwei bis drei Wochen oder länger anhalten, und Schlafprobleme können noch mehrere Wochen bleiben.
Ist es besser, schlagartig mit dem Kiffen aufzuhören oder erst weniger zu kiffen?
Es gibt kaum Forschung, die beides vergleicht. Laut einer klinischen Übersichtsarbeit von 2022 kann der Entzug milder ausfallen, wenn du über Wochen langsam reduzierst oder auf Produkte mit weniger THC umsteigst. Wenn du schrittweise reduzierst, leg einen Stopptag fest, damit das Reduzieren ein Ende hat.
Kann man von Gras abhängig werden?
Ja. Die Cannabiskonsumstörung ist eine anerkannte Erkrankung. Laut NIDA schätzen Studien, dass 22 % bis 30 % der Menschen, die Cannabis konsumieren, davon betroffen sind. Täglicher oder fast täglicher Konsum erhöht das Risiko. Zu den Anzeichen gehören Suchtdruck, gescheiterte Versuche, weniger zu konsumieren, und weiterer Konsum trotz der Probleme, die er verursacht.
Wenn du deine Tage ohne Gras zählen willst: In Guardian Angel legst du Cannabis über Etwas anderes hinzufügen als eigene Gewohnheit an und machst jeden Tag einen Check-in. Du kannst die App kostenlos herunterladen, und dein Tagebuch bleibt auf deinem Handy.
Jetzt Hilfe holen
- Im Notfall: Wenn du in Gefahr bist oder dich körperlich sehr schlecht fühlst, ruf den Notruf 112 an, auch bei Warnzeichen im Entzug wie Verwirrtheit, Halluzinationen oder Krampfanfällen. In Österreich und der Schweiz erreichst du die Rettung auch unter 144.
- Bei Suizidgedanken oder in einer Krise: Rund um die Uhr für dich da sind die TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 116 123 (Deutschland, kostenlos), die Telefonseelsorge 142 (Österreich, kostenlos) und die Dargebotene Hand 143 (Schweiz).
- Bei Fragen zu Cannabis und anderen Drogen: Sucht & Drogen Hotline 01806 313031 (täglich 8–24 Uhr, 0,20 € pro Anruf) oder kostenlose Online-Beratung bei drugcom.de (Deutschland). Beratungsstellen im Suchthilfekompass (Österreich). Kostenlose, anonyme Online-Beratung bei SafeZone.ch (Schweiz).
- In anderen Ländern: Find a Helpline listet kostenlose, vertrauliche Hilfetelefone nach Land.