Zurück zum Blog

Blog

Mit dem Trinken und Rauchen gleichzeitig aufhören: Ist das zu viel?

Solltest du gleichzeitig mit dem Trinken und Rauchen aufhören? Was die Forschung sagt, zu wem welcher Weg passt und wie du ihn planst.

Für viele Menschen ist es nicht zu viel. Du kannst gleichzeitig mit dem Trinken und mit dem Rauchen aufhören. Studien mit Menschen in Suchtbehandlung deuten darauf hin, dass Hilfe beim Rauchstopp ihre Chancen, alkoholfrei zu bleiben, nicht verringert. Manche bringen sie mit einer besseren Abstinenz auf lange Sicht in Verbindung.

Eine Gewohnheit nach der anderen aufzugeben ist ebenfalls ein guter Weg, solange du auch für die zweite ein Datum festlegst.

Du trinkst viel oder jeden Tag? Ein plötzlicher Alkoholstopp kann gefährlich sein, warnt das US-Gesundheitsportal MedlinePlus. Hol dir deshalb vorher ärztlichen Rat. Schwitzen, Übelkeit oder leichtes Zittern in den Stunden nach dem letzten Glas können Entzugszeichen sein: Ruf dann eine Ärztin oder einen Arzt an. Bei sichtbarem Zittern, starker Verwirrtheit, Halluzinationen oder Krampfanfällen brauchst du sofort notärztliche Hilfe. Hier liest du, wie du sicher mit dem Trinken aufhörst.

Gleichzeitig mit Trinken und Rauchen aufhören: Was die Forschung sagt

Viele Suchtbehandlungen haben das Rauchen auf später verschoben, aus Sorge, ein gleichzeitiger Rauch- und Alkoholstopp könnte die Abstinenz gefährden.

Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von 2016 mit 35 Studien und rund 5.800 Menschen, die wegen Alkohol- oder Drogenproblemen in Behandlung waren oder sich bereits davon erholten, hat diese Sorge überprüft:

  • Medikamente zur Rauchentwöhnung, allein oder zusammen mit Beratung, halfen beim Rauchstopp. Beratung allein zeigte keine klare Wirkung.
  • Die Hilfe beim Rauchstopp änderte nichts daran, wie viele ohne Alkohol und andere Drogen blieben.
  • Die Qualität der Evidenz wurde als niedrig eingestuft.

Eine frühere Auswertung von 19 Studien kam zu einem noch deutlicheren Ergebnis: Hilfe beim Rauchstopp während einer Suchtbehandlung hing mit einer um 25 % höheren Chance zusammen, langfristig ohne Alkohol und Drogen zu bleiben.

Nicht alle Studien kommen zu diesem Ergebnis. In einer Studie mit 499 Menschen in Alkoholbehandlung blieben diejenigen, denen sofort eine Rauchentwöhnung angeboten wurde, seltener ohne Alkohol als diejenigen, die sechs Monate warteten: 41 % gegenüber 56 % nach sechs Monaten und 41 % gegenüber 48 % nach 18 Monaten. Beim Rauchstopp waren die Quoten ähnlich, und das Forschungsteam betonte, dass die Ergebnisse noch bestätigt werden müssen.

Schieb den Abschied von der Zigarette trotzdem nicht ewig auf. Eine Studie der Mayo Clinic hat 845 Menschen nach einer stationären Suchtbehandlung rund 10 Jahre lang begleitet. Etwa die Hälfte der Todesfälle hing mit Tabak zusammen, etwa ein Drittel mit Alkohol. Doch dein Körper beginnt sich schon bald nach dem Rauchstopp zu erholen.

Warum Alkohol Lust auf Nikotin macht und umgekehrt

Laut der Cochrane-Übersichtsarbeit rauchen Menschen mit einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit zwei- bis viermal so häufig wie die Allgemeinbevölkerung. Eine Übersicht über die Forschung zu Alkohol und Tabak erklärt, warum:

  • Alkohol verstärkt das Verlangen nach einer Zigarette und macht es schwerer, ihr zu widerstehen.
  • Nikotin schwächt die dämpfende Wirkung von Alkohol ab, sodass manche Menschen womöglich mehr trinken.
  • Weil beides so oft zusammenkommt, kann das eine Lust auf das andere machen.

In einer Studie mit 236 Menschen, die viel tranken und mit dem Rauchen aufhören wollten, hatten etwa 4 von 10 derjenigen, die wieder zur Zigarette griffen, dabei getrunken. Selbst an Tagen mit mäßigem Alkoholkonsum war das Risiko für einen Ausrutscher fast viermal so hoch wie an alkoholfreien Tagen. Das US-Portal Smokefree.gov rät, in den ersten Wochen auf Alkohol zu verzichten.

Plan für gemeinsame Auslöser von Rauchen und Trinken

Gemeinsamer Auslöser Probier stattdessen
Das Feierabendbier und danach eine Zigarette Dreh die Reihenfolge um: erst spazieren gehen, duschen oder kochen
Kneipen oder Partys, auf denen geraucht wird Triff dich dort, wo niemand raucht, oder geh früher
Stress am Ende des Tages Zehn langsame Atemzüge, ein kurzer Spaziergang oder ein Anruf
Jemand bietet dir ein Glas oder eine Zigarette an „Nein danke, ich mache gerade eine Pause.“

Option A: zwei Gewohnheiten auf einmal aufgeben

Für wen ein gemeinsamer Ausstieg passt

  • Du rauchst vor allem, wenn du trinkst, und beides fühlt sich wie eine einzige Gewohnheit an.
  • Du beginnst gerade eine Behandlung oder hast schon Unterstützung organisiert.
  • Du stehst lieber eine harte Phase durch als zwei.

So planst du den gemeinsamen Ausstieg

  1. Leg einen gemeinsamen Stichtag für beides fest. Wenn du viel oder täglich trinkst, bestimm ihn zusammen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
  2. Hol dir ärztlichen Rat. Eine Ärztin, ein Arzt, die Apotheke oder eine Beratungsstelle zur Rauchentwöhnung kann dir helfen, einen Nikotinersatz oder ein Medikament zur Rauchentwöhnung auszuwählen. Wenn du auch Medikamente wegen deines Alkoholkonsums nimmst, entscheidet eine Ärztin, ein Arzt oder die Apotheke, was sich sicher kombinieren lässt. Schreib alle Medikamente auf, die du nimmst, denn bei manchen, etwa Clozapin, Olanzapin und Theophyllin, kann sich nach dem Rauchstopp die nötige Dosis ändern.
  3. Entscheide, wie du mit dem Nikotin aufhörst. Hör am Stichtag schlagartig auf oder reduziere bis dahin schrittweise. Hier findest du schlagartiges Aufhören und schrittweises Reduzieren im Vergleich.
  4. Räum bis zum Stichtag beides aus dem Haus: Alkohol, Zigaretten, Feuerzeuge und E-Zigaretten.
  5. Plane deine riskantesten Stunden mithilfe der Tabelle oben.

Option B: eine Gewohnheit nach der anderen

Für wen der Ausstieg in Etappen passt

  • Deine Ärztin, dein Arzt oder dein Behandlungsteam rät dir, zuerst mit dem Alkohol aufzuhören.
  • Dein Alltag ist gerade sehr stressig, oder beides auf einmal hat dich schon einmal überfordert.
  • Du rauchst und trinkst zu unterschiedlichen Zeiten, sodass das eine selten Lust auf das andere macht.

So planst du den Ausstieg in Etappen

  1. Fang mit der Gewohnheit an, die dir am meisten schadet, oder mit der, für die du dich am ehesten bereit fühlst.
  2. Leg schon jetzt ein Datum für den zweiten Schritt fest und schreib es auf.
  3. Schütze den ersten Ausstieg. Wenn du zuerst mit dem Rauchen aufhörst, aber noch trinkst, trink weniger und nicht in der Nähe von Leuten, die rauchen.
  4. Behalte die verbliebene Gewohnheit im Blick. Wenn sie zunimmt, zieh das Datum für den zweiten Schritt vor.

Wenn du E-Zigaretten nutzt, hast du dieselben Möglichkeiten. Hier liest du, wie du mit dem Vapen aufhörst.

Achte auf Suchtverlagerung

Suchtverlagerung, auch Suchtverschiebung genannt, bedeutet, eine Gewohnheit gegen eine andere zu tauschen, etwa online zu wetten, sobald du mit dem Trinken aufgehört hast. Bei Alkohol und Drogen kommt sie womöglich seltener vor, als viele befürchten. In einer großen US-Studie entwickelten Erwachsene, die sich von einer Substanzkonsumstörung erholt hatten, seltener eine neue als diejenigen, bei denen das nicht der Fall war: 13 % gegenüber 27 % innerhalb von drei Jahren.

Anzeichen für eine Verlagerung:

  • Die Gewohnheit, die du beibehalten hast, nimmt zu.
  • Eine neue Gewohnheit füllt dieselbe Lücke, etwa Wetten, Gaming oder Scrollen bis spät in die Nacht.

Wenn du mehrere Gewohnheiten festhältst und nicht nur die, mit der du aufgehört hast, fällt dir eine Verlagerung leichter auf. In Guardian Angel bekommt jede Gewohnheit ihre eigene Antwort: Guter Tag oder Schwieriger Tag.

Nach 7 Check-ins zeigt dir die Karte Nach Gewohnheit in den Insights, wie oft jede Gewohnheit gut lief.

Wenn du eine Verlagerung bemerkst, frag dich, wobei dir die neue Gewohnheit hilft: bei Stress, Langeweile oder Einsamkeit? Wenn gedrückte Stimmung oder Ängste immer wiederkommen, sprich mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer therapeutischen Fachperson.

Weitere häufige Kombinationen

Wenn mehrere Süchte im Spiel sind, achte auch auf andere Kombinationen:

Häufige Fragen

Kann ich gleichzeitig mit dem Rauchen und Trinken aufhören?

Ja. In einer Übersichtsarbeit mit 35 Studien an Menschen, die in Suchtbehandlung waren oder sich davon erholten, half eine Rauchentwöhnung beim Rauchstopp und senkte insgesamt nicht ihre Chancen, abstinent zu bleiben. Wenn du viel oder täglich trinkst, hol dir ärztlichen Rat, bevor du mit dem Trinken aufhörst, denn ein Alkoholentzug kann gefährlich sein.

Sollte ich zuerst mit dem Trinken oder mit dem Rauchen aufhören?

Es gibt keine einzig richtige Reihenfolge, und du kannst auch mit beidem gleichzeitig aufhören. Wenn du viel oder täglich trinkst, geh zuerst zu einer Ärztin oder einem Arzt, um einen sicheren Alkoholentzug zu planen und zu entscheiden, wann du das Rauchen angehst. Ansonsten fang mit der Gewohnheit an, die dir am meisten schadet, und leg ein Datum für die zweite fest.

Warum habe ich beim Trinken Lust auf eine Zigarette?

Alkohol verstärkt den Drang zu rauchen und macht es schwerer, Nein zu sagen. Wenn du oft beim Trinken geraucht hast, wird schon das Glas selbst zum Auslöser. Es kann helfen, in den ersten Wochen nach dem Aufhören auf Alkohol zu verzichten.

Was ist eine Suchtverlagerung?

Eine Suchtverlagerung, auch Suchtverschiebung genannt, bedeutet, eine Gewohnheit gegen eine andere zu tauschen, etwa mit dem Glücksspiel anzufangen, nachdem du mit dem Trinken aufgehört hast. Das kann passieren. Doch bei Alkohol und Drogen brachte eine große US-Studie die Genesung von einem Problem mit einem geringeren Risiko für ein neues in Verbindung.


Du hörst mit mehr als einer Sache auf? Guardian Angel gibt jeder Gewohnheit ihren eigenen täglichen Check-in. Die App kannst du kostenlos herunterladen, und dein Tagebuch bleibt auf deinem Handy.

Jetzt Hilfe holen

  • Im Notfall: Wenn du in Gefahr bist oder dich körperlich sehr schlecht fühlst, ruf den Notruf 112 an. In Österreich und der Schweiz erreichst du die Rettung auch unter 144.
  • Bei Suizidgedanken oder in einer Krise: Rund um die Uhr für dich da sind die TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 116 123 (Deutschland, kostenlos), die Telefonseelsorge 142 (Österreich, kostenlos) und die Dargebotene Hand 143 (Schweiz).
  • Bei Alkohol oder Drogen: Sucht & Drogen Hotline 01806 313031 (Deutschland, 0,20 € pro Anruf), Suchthilfekompass (Österreich), SafeZone.ch (Schweiz).
  • Zum Rauchstopp: kostenlose Beratung unter 0800 8 31 31 31 (Deutschland), 0800 810 013 (Österreich) und 0848 000 181 (Schweiz).
  • Beim Glücksspiel: kostenlose Beratung unter 0800 1 37 27 00 (Deutschland) und 0800 040 080 (Schweiz), Beratungsstellen nach Bundesland (Österreich).
  • In anderen Ländern: Find a Helpline listet kostenlose, vertrauliche Hilfetelefone nach Land.